Endlich Urlaub.

Wir sind im Urlaub angekommen. Viel Auto gefahren, nicht ich, aber der Mann.

Am Montag hatte ich einen Termin in Frankfurt bei Frau Prof. Meyding-Lamade, Neurologin am Nordwest Krankenhaus.

Ich habe schon länger den Wunsch noch eine Meinung einzuholen, da ich einige Symptome an mir entdecke, die doch recht ungewöhnlich sind.

Auch sie sagte, dass einiges sehr untypisch für eine ALS wäre, aber die Untersuchungsergebnisse natürlich daraufhin hindeuten.
Sie ist vorsichtig, will keine falschen Versprechungen machen oder gar Hoffnung schüren.
ABER: sie an meiner Stelle würde sich mit der Diagnose nicht einfach zufrieden geben, sondern nochmal die ganze Diagnostik Maschine durchlaufen. Manchmal gibt es wohl auch Tumore, die diese neurologischen Symptome verursachen. Selten zwar, aber dennoch möglich.

Sie würde dann evtl über eine Immunglobolin Therapie nachdenken, es zumindest versuchen.

Ich bin froh, dass ich dort war und werde zusehen, dass ich dieses Jahr noch ’ne Woche nach Frankfurt in die Klinik gehe.

Und jetzt: Ferien

Rollz. Der Name ist Programm.

Ich bin stolze Besitzerin eines neuen Rollators. Ein Rollz.

Mein Mann hat ihn spendiert und nun steht er da und sieht doch zugegebenermaßen ziemlich gut aus, sofern solche Geräte überhaupt gut aussehen können.

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Das Praktische an diesem Ding ist, dass man ihn auch als Rollstuhl benutzen kann. Wenn ich also zu erschöpft bin und den Rückweg nicht mehr schaffe, dass setze ich mich hin und lasse mich schieben. Das erleichtert doch einiges, gerade im Hinblick auf unseren bevorstehenden Urlaub in Österreich. Ich möchte ja Dinge sehen und nicht gezwungen sein nur einen Radius von ein paar hundert Metern zu erleben. Allerdings gehe ich davon aus, dass unser Söhnchen die ganze Zeit darin sitzen will.

Er ist fast doppelt so schwer wie bei derzeitiger, dafür hat er Trommelbremsen und viel bessere Reifen. Ich hoffe, dass das Kopfsteinpflaster dann auch leichter zu begehen ist. Werde ich morgen gleich ausprobieren.

Ein echter Rollz. Standesgemäß.

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Pflegefall. Oder eine Frage der Einstellung.

Jetzt ist es offiziell. Ich bin ein Pflegefall. Oder besser ich habe Pflegestufe 1 bekommen.

Man kann es eben so oder so sehen.

Der Medizinische Dienst war letzte Woche bei uns. Das Treffen war emotional nicht einfach. Sich der Situation bewusst zu werden, ein Pflegefall zu werden ist alles andere als schön.

Bizarr, abstrakt, unwirklich, aber dennoch leider sehr real.

Zum einen komme ich mir wie ein Bittsteller vor. Eine Art Schnorrer, der jetzt alles mitnimmt, das er vom Staat oder von der Pflegekasse bekommen kann. Zum anderen tue ich mir irgendwie auch selber leid.

Tränchen fließen zwischendurch. Es ist erniedrigend. Ich bin traurig.

Der Mann ist sehr nett, versucht sachlich zu bleiben und fragt seine zahlreichen Fragen wie z.B. ob ich mich selber nach dem Toilettengang versorgen kann.

Ähm. Ja kann ich. Danke.

Ein Grund für die Beantragung der Pflegestufe war auch die finanzielle Unterstützung für Umbaumaßnahmen zu einer barrierefreien Wohnung.  Die 6 steilen Treppen zu unserer Wohnung werden fast täglich herausfordernder für mich und die Treppen innerhalb der Wohnung sind mit Rollator auch irgendwie kompliziert. Zum Glück haben wir jetzt endlich einen schöne Wohnung gefunden, die wir im Oktober beziehen werden. Ein Jahr hat die Suche gedauert. Da denkt man Berlin – hier gibt es Angebote ohne Ende – leider Fehlanzeige. Zumindest im Barrierefreien Segment. Aber nun hat die Suche ja ein Ende und wir freuen uns auf unser neues Eigenheim.

Die Tatsache, dass ich nun einen Pflegestufe habe, muss ich pragmatisch sehen.Die Vorteile liegen klar auf der Hand, den Rest blend ich aus und schaue der Tatsache ins Gesicht und erkläre wiederholt: Es ist eine Frage der Einstellung.