Barrieren und Inklusion. Umparken im Kopf.

Dass ich eines Tages persönlich über das Thema Inklusion schreiben würde, hätte ich damals, als ich Werbung für Aktion Mensch gemacht habe, auch nie für möglich gehalten. Inklusion war für mich damals eine Aufgabe, die es zu bewerben galt, blieb aber dennoch irgendwie abstrakt.

Klar. Ich selber habe in meinem Freundeskreis niemanden der im Rollstuhl sitzt und gar geistig behindert ist, also keinerlei Berührung vorhanden, so blieb alles Theorie, auch wenn mich das Thema Inklusion immer berührt hat.

Inklusion. Was heißt das denn überhaupt?

Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit. Also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch, mit oder ohne Behinderung, überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, in Restaurants oder beim Ausgehen.

In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, damit die Umwelt für alle zugänglich wird, aber auch durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander. Umparken im Kopf eben.

Hier ist das sehr gut erklärt: Inklusion in 80 Sekunden

Inklusion ist ein Menschenrecht, das in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist. Deutschland hat diese Vereinbarung unterzeichnet. Mit der Umsetzung von Inklusion stehen wir aber noch am Anfang eines langen Prozesses, wie ich gerade im Urlaub erfahren musste.

Da ich bekanntlich nicht gut gehen kann, bin ich auf den Rollator angewiesen. Der hat ungefähr die Maße eines Rollstuhls. An den großen Raststätten mit Tankstellen kann ich problemlos zur Toilette gehen, da es überall eine Behinderten-Toilette gibt. Bei Parkplätzen wird es schon schwieriger, hier gibt es Behinderten-Toiletten, diese sind aber verschlossen. Dazu braucht man einen sogenannten Euro Schlüssel, den ich jetzt endlich auch bestellt habe.

Aber wieso brauche ich denn eigentlich eine Behinderten-Toilette? Ich laufe ja.

Das hat damit zu tun, dass die Türbreite einer „normalen“ Toilettenkabine viel zu schmal ist und die Kabine an sich auch viel zu klein ist, sodass ich mit meinem Gefährt dort nicht hineinpasse. Das führt dazu, dass ich entweder waghalsig irgendwie mein Geschäft verrichte oder die Tür offen stehen muss, mein Mann mich meistens reinbringen muss oder aufpasst, dass niemand rein kommt. So oder so immer kompliziert. Dieses Problem habe ich fast überall, weil es in den wenigsten Lokalitäten eine behindertengerechte Toilette gibt. Selbst nicht in 4 Sterne Hotels. Die Kategorisierung für ein 4 Sterne Hotel bemisst sich an folgenden Kriterien:

  • 16 Stunden besetzte separate Rezeption, 24 Stunden erreichbar
  • Lobby mit Sitzgelegenheiten und Getränkeservice, Hotelbar
  • Frühstücksbuffet oder Frühstückskarte mit Roomservice
  • Minibar, 16 Stunden Getränke im Roomservice oder Maxibar auf jeder Etage
  • Sessel/Couch mit Beistelltisch
  • Bademantel, Hausschuhe auf Wunsch
  • Kosmetikartikel (z. B. Duschhaube, Nagelfeile, Wattestäbchen), Kosmetikspiegel, großzügige Ablagefläche im Bad, Heizmöglichkeit im Bad.

An Behinderte wird nicht gedacht, aber eine Minibar muss sein. Verkehrte Welt.

Schön war es zum Beispiel auch in der tollen Mostschenke am Attersee, die immerhin eine Behinderten-Toilette hatte. Juchu. Diese war allerdings in der Männertoilette untergebracht und als ich diese verließ, stand natürlich gerade ein Mann am Pissoir und guckte verlegen. Ich auch. Aber meine Blase war dankbar.

Das Thema Barrierefreiheit ist wirklich ein Riesenthema. Und ich kann nicht verstehen, warum man nicht grundsätzlich mehr Wert darauf legt. Auch die Bäder in den Hotelzimmern sind meist so klein, dass es ausgesprochen kompliziert ist sich darin zu bewegen. Dabei reise ich schon mit extra Indoor Rollator, der deutlich schmaler ist, einer eigenen Sitzerhöhung für die Toilette, da diese fast immer viel zu niedrig hängt und portablen Griffen für die Dusche. Für alles gibt es in Deutschland Normen oder? Warum nicht auch für die Sitzhöhe der Toilette frage ich mich.

Barrieren wie Treppen sind fast überall, meist auch noch so hoch, dass Menschen mit Gehbehinderung nur schwerlich hochgehen können, Geländer sind meist nicht vorhanden. Rampen sehe ich nur selten. In den Schwimmbädern fehlt es an Geländern, denn ich kann schwimmen und schwimme gerne, es hapert nur am reinkommen.

Jetzt könnte ich ewig weiter balsabern, will ich aber nicht.

Es gibt unendlich viele Beispiele, die zeigen wie Banane die Welt da draußen sein kann. Hier ein paar Fotos, schlimmer geht’s nimmer.