Das Leben ist das Produkt unserer Gedanken.

Es gibt Zeiten des Lebens und es gibt Zeiten des Denkens.
Gerade bin ich eher in der zweiten Phase.

dorel-gnatiuc-57235

Ihr kennt mich als positiven Menschen, aber verzeiht, wenn mein heutiger Blogeintrag etwas schwermütig wird.
Wer mag kann hier aussteigen…

Es gibt mehrere Gründe, warum ich derzeit etwas nachdenklicher bin.

Zum einen muss ich immer wieder an eine Begegnung auf dem Rückflug von Mallorca denken. Ein stattlicher Mann im Rollstuhl mit seiner hübschen Frau und seinem etwa 10-jährigen Sohn plus Freund oder Pfleger wurden wie ich gemeinsam mit dem Rollstuhlservice zum Flieger gebracht. Der Mann saß bewegungslos in seinem Rollstuhl. Auch als sein Sohn ihn von hinten immer wieder umarmte, nahm er seine Arme nicht hoch.
Er konnte sich einfach nicht rühren. Gesprochen hat er auch nicht.
Als ich ihn anlächelte hat er nur die Augen etwas aufgerissen. Das war meines Erachtens die einzige Art zu kommunizieren, die ihm möglich war.
Also wird auch er an ALS erkrankt sein. Der Anblick hat mich tief berührt.
Die Liebe, die sein Sohn ihm entgegenbrachte und das Mitgefühl dieses Jungen waren einerseits so wunderbar, andererseits hat mir sowohl der Junge als auch der Vater und seine Frau mir unendlich leid getan. Das arme Kind, das seinen Vater in dieser Lage erleben muss und der arme Vater, der die Liebe seines Buben nicht erwidern kann, zumindest nicht physisch. Von der Mutter, die alles ertragen muss ganz zu schweigen.

Es war eine ganz normale Familie. So wie wir.
Auch wir werden irgendwann in dieser Situation sein. Ich werde mich nicht mehr rühren können, mein Sohn wird mich umarmen und ich werde ihn nicht mehr drücken können und mein geliebter Mann wird alles schultern müssen. Uff.

Ein anderer Grund ist ein Posting von Christian. Er ist wie ich an ALS erkrankt und wir sind ungefähr gleich alt. Sein jüngster Sohn ist so alt wie meiner. Wir sind uns leider noch nicht persönlich begegnet, ich hoffe aber, dass wir uns bald treffen können. Denn er lebt wie ich in Berlin.
Christian schreibt viel regelmäßiger als ich und ich mag seinen Blog sehr.
Er ist ein Kämpfer und lebt auf der positiven Seite des Lebens.
Aber auch er klappt einfach mal zusammen:

we eat doner kebap at a sleazy turkish bistro. the tv is running. i can’t avoid staring at the pointless flickering array of unquestioned youthfulness. i have avoided thinking about death for too long.

and something in me is tipping over.

and i cry. i sob. i cannot stop. silke holds me. i don’t want to die.

this is life.

 

Ich konnte so gut verstehen.

Und kann es noch.

Es gibt Tage des Denkens. Sie lassen sich nicht vermeiden.
Ich nehmen sie an und weiß, dass bald wieder das Leben die Zügel in der Hand halten wird. Weihnachtsfeiern stehen vor der Tür, es muss gebacken und gebastelt werden und es wird gelacht. Schade, dass ich nicht mehr tanzen kann.

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s