Mein Sommer in den Bergen.

Mein Mann liebt die Berge, ich bin ja eher so ein Meer-Typ. Aber da wir an Ostern bereits in Südfrankreich waren und diesen Sommer gemeinsam mit Omi und Opi verreisen wollten, hat es sich angeboten nach Österreich zu fahren.
Unser neues großes Auto hat jetzt genug Platz für Rollstuhl und Rollator und außerdem auch noch spezielle ergonomische Sitze mit Massagefunktion (oha!), sodass die lange Autofahrt ins Zillertal auch für mich machbar war, ohne dass ich das Gefühl hatte, das mein Rücken durchbricht.

Unsere erste Anlaufstelle war das Hotel Crystal in Fügen. Wir hatten eine tolle Suite gebucht, ein extra großes Zimmer mit Schlafcouch für den Nachwuchs und zwei Bädern. Der Clou: von der Badewanne direkt auf die Berge gucken. Und natürlich rollstuhlgerecht.
Hier ein paar Eindrücke:

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Das Wetter war auch hier fantastisch und die Temperaturen genauso hoch wie in Deutschland. Das Servicepersonal im Hotel war außergewöhnlich freundlich, jeder Wunsch wurde sofort erfüllt. Also I like.

Das Zillertal hat einiges zu bieten u.a. den Achensee. Die Farbe dieses Sees kann dem Wasser auf den Malediven Konkurrenz machen, man kann es kaum glauben.

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Ich schwöre keinen Filter auf die Fotos gelegt zu haben. Ist es nicht wunderschön?
Ja das ist es wirklich.
Für alle die auf einen Rollstuhl angewiesen und eine Achensee-Rundfahrt machen wollen gibt ein großes Schiff mit extra Hublift und großer Behindertengerechter Toilette, sodass einem Ausflug für Menschen mit Handicap nichts im Wege steht.
Und es lohnt sich.

Dann waren wir noch an den Krimmler Wasserfällen. Diese sind mit einer gesamten Fallhöhe von 385 m die höchsten Wasserfälle Österreichs. Es waren viele Menschen dort, der Weg ging steil bergab bis man erst einmal unten angekommen war. Das ging noch mit dem Rollstuhl, obwohl das Ding tatsächlich keine Bremsen hat. (Die Krankenkasse genehmigt dies nicht in Berlin, zu wenig „Berge“ – Ey…). Ganz bis runter konnten wir nicht gehen, der Weg war einfach zu steil und der Rückweg wäre definitiv zu fies gewesen. Gesehen habe ich ihn aber den Wasserfall.

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Aber der zweitägige Ausflug einst 1990 zum Salto Angel in Venezuela der 998m in die Tiefe fällt (Astrid Du erinnerst Dich: „Here is a waterfall you can have a swim now…“) ist einfach nicht zu toppen.

Der Abstieg war also gerade noch machbar, aber der Aufstieg war für meinen Mann eine echte Herausforderung. Ich bin nicht mehr die Leichteste und der Rollstuhl wiegt ja auch noch mal… Keiner von den vielen Menschen kam auf die Idee zu helfen. Zumindest keiner von den Deutschen. Aber ein kleines altes Männelein aus Saudi Arabien, das mit seiner ganzen Sippe zu Besuch war, sah das Dilemma und eilte sofort zu Hilfe. Da können sich die Deutschen mal eine Scheibe abschneiden. Diese Selbstverständlichkeit, diese Hilfsbereitschaft findet man leider viel zu selten in unserem Breitengrad,

Die zweite Hälfte unseres Urlaubs wollten wir in Oberstdorf verbringen.
Die Fahrt dorthin wurde ( Vielen Dank liebes Navi! ) zu einer der schönsten Strecken, die ich je gefahren bin. Der Fernpass war dicht, sodass wir über das Hahnfennjoch geleitet wurden und bitte glaubt mir: Es ist Whow.
Wie schön unser Deutschland ist, obwohl dies auch gut in Neuseeland sein könnte:

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Also merken: H A H N T E N N J O C H  (Das Hahntennjoch, seltener auch Hantenjoch oder Hantennjoch genannt, ist ein 1894 m ü. A. hoher Gebirgspass in Österreich, der das obere Inntal mit dem Tiroler Lechtal verbindet.

Nach dieser grandiosen Fahrt waren wir alle sehr glücklich. In Oberstdorf waren wir in einem Hotel gebucht, einem Hotel mit lauter Extras für Rollstuhlfahrer.
Ich freute mich also auf das Schwimmbad, weil es hier einen Poollift gab. Aber schon beim Ankommen sahen wir lauter schwer Kranke, in Rollstühlen, teilweise beatmet und ich fühlte mich sofort unwohl. Ich konnte nichts anders.
Tränen kullerten eine ganze Weile.
Zum Glück war ich nicht allein damit. Es ging allen so und schnell war klar, wir können hier nicht bleiben. Mein kleiner Sohn wäre auch völlig überfordert gewesen mit dem Anblick. Wir haben kurz entschlossen im Hotel Crystal angerufen und sind einfach wieder zurück gefahren.

Ich habe länger gebraucht diesen Eintrag zu schreiben.
Die Unsicherheit ob ich dies so offen schreiben kann war sehr groß.
Ich bin ja selber schwer krank.
Aber ich möchte im Urlaub nicht permanent das große Leid Anderer vor Augen haben. Definitiv not. Jetzt kann man mich fragen, warum wir dort gebucht haben?
In meiner mir so eigenen Naivität dachte ich irgendwie an eine Mischung aus Kranken und Gesunden. An Inklusion eben. Aber dies fühlte sich eher wie eine Krankenstation auf dem Land an. Alles sehr praktisch, aber eben für mich, und das ist das Wichtigste für mich zuviel Leid. Und viel zu wenig Freud‘.

So waren wir dann noch einmal eine Woche im schönen Zillertal.
Ich habe in der Sonne gelegen, richtig auf einer Liege. Purer Luxus für mich mittlerweile. Die Liegen sind üblicherweise einfach zu niedrig, sodass ich nicht wieder hochkomme. Hier gab es aber zwei Auflagen aus einer Muschel, die ich nutze konnte. Herrlich, nicht den ganz Tag im Rollstuhl zu sitzen. Sogar schwimmen war ich ein paar Mal, mein Liebster hat mich einfach mit dem Rollstuhl ins Wasser gelassen, rein ging es ganz gut, raus war es ein schöner Kraftakt mich und das schwere Gefährt wieder aus dem Wasser zu hieven. Zum Glück gab es ein paar hilfsbereite Menschen, die mit angepackt haben.
Ich habe das Hotel Crystal gebeten einen Poollift in ihrem Schwimmbad anzubringen, Es wäre zu schön. Wer weiß vielleicht habe ich Glück?

Denn ich mag schwimmen.

showimg_jmc10_desktopFoto by JODY MACDONALD

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