Dieses Zitat von Erich Kästner trifft es eigentlich recht gut.

es-wc3a4r-schon-schc3b6ner.png

Viel zu lange schon schiebe ich den Blogeintrag vor mir her.
Dieses Mal ist es genau anders, das lange Schweigen hat nichts damit zu tun, dass kaum was passiert ist, sondern genau das Gegenteil ist der Fall.

Im Detail heißt das zum Beispiel: Ich fahre jetzt durch’s Leben.
Eine Maschine mehr in meinem Kosmos. Auch wenn ich nicht mehr wirklich viel gelaufen bin, war ich zumindest in der Wohnung noch per Pedes unterwegs.
Da das Laufen mir aber zunehmend schwerer gefallen ist, habe ich mich entschlossen den Elektro-Rollstuhl, der jetzt seit 2,5 Jahren im Sanitätshaus wartet zum Einsatz zu bringen. Und wie das ist mit den Hilfsmittel leider so ist, ist auch dieses hier eine Einbahnstrasse. Deshalb habe ich mich auch so lange gesträubt.
Einmal sitzen – immer sitzen.

So rolle ich jetzt also durch die Gegend, mit Motor. Laufen kann ich nur noch ein paar Schritte. Auch wenn mein neuer „Tesla“ wirklich besonders klein ist, mussten wir doch auch erst noch Türen in der Wohnung verbreitern und das hat dann einen ganzen Rattenschwanz hinter sich hergezogen. Ist Klar.
Jetzt ist es geschafft. Der Boden ist zwar ruiniert, aber die Türen sind schön breit, sodass ich bequem ins Bad cruisen kann. Zugegebenermaßen bin ich dadurch deutlich mobiler. Mittlerweile habe ich mich auch an den Anblick dieser Maschine gewöhnt.

Den Sonderfahrdienst für Behinderte habe ich auch schon mehrfach genutzt und so erweitert sich mein Radius. Konzerte, Mittagessen, Shopping-Ausflüge in den Westen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, alles Dinge, die vorher deutlich komplexer in der Umsetzung waren. Insofern alles gut.

Nicht gut ist, dass meine Sprache deutlich verwaschener wird und ich mich jetzt beim Essen verschlucke und nicht mehr alles essen kann. Zu festes oder klebriges Essen kann ich dann nicht mehr schlucken, es bleibt in der Kehle stecken und bewegt sich dann nicht mehr. Husten, Spucken, Husten, Spucken, Schlucken and so on.
Gerade während der Mahlzeiten kann ich nicht gut sprechen, so werden Lunch-Verabredungen auch immer seltener.

Ebenfalls neu in unserem Leben ist der mobile Pflegedienst, der morgens und mittags kommt, um mir bei der Körperpflege und Toilettengängen behilflich zu sein.
Nicht leicht morgens um 7:45 vor einer fremden Frau die Hosen runterzulassen und sich nackig zu machen. Zumindest ist es kein Mann. Bis jetzt.

Das sind sie wohl die wesentlichen Neuerungen in meinem Dasein.

Respekt habe ich vor dem Termin in der Atemambulanz in der kommenden Woche. Denn auch mir wurde zu einer nächtlichen Beatmung geraten, sprich die Atempumpe ist geschwächt und soll in der Nacht entlastet werden. Heißt ich werde in Zukunft mit Maske schlafen müssen. Werde Euch berichten wie es mir mit der neuen Maschine in meinem Leben geht..

Zum Schluss möchte ich an die vor kurzem verstorbenen ALS-Patienten erinnern.
Einer davon war Christian Conrad, ähnlich alt wie ich, Vater von 3 Kindern, wohnte bei mir um die Ecke. Ich kann es immer noch nicht verstehen, denn er hatte gerade den Luftröhrenschnitt machen lassen. Mehrfach wollten wir uns treffen, haben es aber irgendwie nie geschafft. Ich bin traurig, dass die Krankheit wieder 3 Menschen klein gekriegt hat.