Realitycheck.

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Dunkel war es heute Nacht da draußen und in mir. Die Nacht hatte ganz gut begonnen und ich wachte wie sonst üblich auch um kurz nach 1 auf. Ich kenne das schon. Der Kopf geht an und die Gedanken machen was sie wollen. Bevor sie aber in eine Richtung abbiegen, die mir nur Kummer und Tränen beschert spiele ich auf dem Handy etwas Backgammon in der Hoffnung wieder in den Schlaf zu fallen. Aber da habe ich die Rechnung ohne den Kopf gemacht, der will jetzt nicht schlafen. Also gut dann lese ich eben in der Biographie von Salman Rushdie weiter, die wir heute Abend im Lesekreis besprechen wollen und ich total hinterherhinke, obwohl es an dem Buch rein gar nichts auszusetzen gibt. So lese ich also von seinem Leben nach der Fatwa und bedaure ihn für sein Schicksal. Und dann landen meine Gedankenströme auf einmal bei mir und ich bedauere mich selbst.

Und da kommt er der Gedanken Tsunami und walzt alles platt.

Ich vermisse mein altes Leben, meine Freiheit, die Unbeschwertheit, das Tanzen, das laute Lachen, die lustigen Abende im Borchardt, meine Figur, das Laufen, das Reisen, leckeres Essen, die Unabhängigkeit und die schier unendlichen Möglichkeiten, die einem gesunden Menschen zu Verfügung stehen.
Und vor allem die Perspektive. Ich kann mir nicht sagen, es wird wieder besser. Es wird nie wieder besser und während ich das schreibe wird mir schlecht.

Ich kriege Angst.
Warum nur habe ich dieses verdammte Pech diese grausame Krankheit abgekriegt zu haben? Für meinen Geschmack hatte ich doch schon genug: schwere Hüft-Op als Kleinkind, meine Mama im Alter von 15 verloren, die erste große Liebe in den Drogentod ziehen lassen, nach der glücklichen Hochzeit unmittelbar nach der Hochzeitsreise eine Fehlgeburt erlitten und dann nicht mehr schwanger geworden. Dann die Tortur der künstlichen Befruchtung durchgezogen bis 2011 endlich der kleine Neil auf die Welt kam. Ein paar Jahre pures Glück und dann BÄMM die niederschmetternde Diagnose. Danke reicht. Mehr geht kaum.

Meine Seele ist verwüstet heute und in mir ist es jetzt ganz still.
Die Aufbauarbeiten beginnen und ich hoffe auf ein besseres Frühwarnsystem.