Scotty und ich.

Dieses Jahr geht es leider immer schlechter und die Schnelligkeit mit der die Muskeln gerade ihren Geist aufgeben finde ich beunruhigend.
Lange Zeit ging es nur mäßig voran, aber gerade nimmt die Krankheit an Fahrt auf, so dass mir etwas schwindelig wird bei dem Tempo. Aber warum sollte es mir anders ergehen als der Welt? Die Entwicklung nimmt auch immer mehr Schwung auf im Laufe der Jahrtausende: Gehen, segeln, reiten, fahren, fliegen, das ist der Vektor der Bewegung.
Als nächstes kommt das Beamen. Das wird geil.

Bis dahin. Mein Staus Quo:
Sprache sehr verwaschen und mühsam. Essen und Trinken auch mühsam.
Die Arme kriege ich nur schlecht hoch und von einem auf den anderen Tag kann ich mich nicht mehr am Kopf kratzen. (Funfact: Zum Glück haben wir gerade keine Läuse). Mein rechtes Bein hat zunehmend an Stabilität verloren, daher bin ich so unsicher beim Stehen und Laufen, dass es zu gefährlich geworden ist dies zu tun. Das stellt uns vor diverse Herausforderungen. (Üblicherweise bin ich morgens zum Beispiel aufgestanden und ein paar Schritte mit dem Rollator gelaufen und dann wurde der E-Rollstuhl hinter mich gefahren und ich konnte mich hinsetzen. Nun schaffe ich das aber nicht mehr.
Wie komme ich also von A nach B?
Scotty?

Meine Bitte an das Sanitätshaus mich zu beraten endet in einem Verkaufsgespräch in Sachen Deckenlifter und Traversen-System. Mittelfristig bestimmt die richtige Lösung. Aber was machen wir bis dahin? Wie machen das andere?
Immer wieder bin ich baff, dass man sich alles alleine erschließen muss. Keine Hilfe. Keine Beratung. Sogar mein Pflegedienst zuckt mit den Schultern.

Was ist also die Lösung?
Mein geliebter Mann hebt mich um. Das funktioniert erstaunlich gut. Hier machen die verlorenen Kilos jetzt zum Glück etwas Sinn.

Aber nun von A nach C (Toilette)?
In diesem Fall muss ja noch das Beinkleid abgestreift werden. Das funktioniert ja so nicht. Stimmt. Hm.
Scotty? Hallo?

Also dann so: Rolli hochfahren, in den Stand kommen und nicht umfallen, Hose runter, immer noch nicht umfallen, Rolli wieder runterfahren (wieso dauert das so lange?) wieder hinsetzen. Dann Rollstuhl neben Lokus positionieren und mich meinem Mann anvertrauen und ihn sich den Bruch heben lassen. Dann …
Und zurück das Gleiche. Hallelujah. Von wegen ich mach mal schnell Pipi.

Nun wollen wir mal ein Rutschbrett ausprobieren, damit könnte ich vielleicht von A nach B rutschen. Zumindest das. Nach C auch nicht. Aber hey der Mann wäre entlastet.

Dafür haben wir jetzt schon ein großes Gleittuch. Ein G L E I T T U C H.
So ein schönes Wort. Damit ist es deutlich einfacher mich an die richtige Position im Bett zu schieben. Da ich mich eigenständig nicht mehr drehen kann, brauche ich die eine, die superduper Position, in der ich im Idealfall 8 Stunden rührungslos (wenn nur die Zappelbeine nicht wären) liegen kann.

Scotty?
Er hört mich einfach nicht.

Und nun zum Schluß. Dramaturgisch gut aufgebaut:
Mein Besuch in der Atemambulanz in der vergangenen Woche. Tadaa.
Der Besuch war leider wie erwartet.
Eine Maskenbeatmung wird empfohlen, auch wenn die Blutgaswerte noch in Ordnung sind, ist die Lunge geschrumpft und die Atempumpe wird schwächer.
Und eine PEG, also eine Magensonde wird auch fällig.

Uff.
Mitte/Ende März muss ich also für 10-14 Tage ins Krankenhaus.
Freude sieht anders aus.

Scotty?

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